Die Wiener flirten gerne

Xandra Linsin fotografiert von Rafaela Pröll

Name Xandra Linsin, geboren 1978 in Lörrach (D), Beruf Fotografin, wohnt in Zürich und immer wieder in Wien Innere Stadt.


Xandra Linsin fühlt sich in vielen Weltstädten wohl. Ihre Homebase hat sie in Zürich, von dort aus fliegt sie zu den großen Prêt-à-Porter Shows nach London, Paris, Mailand und den anderen Modemetropolen der Welt. Nach Wien zieht sie seit einigen Jahren alle paar Wochen die Liebe zu einem Wiener.

Ist sie erst hier, genießt die stets gut gelaunte Fotografin die Donaumetropole in vollen Zügen, radelt kreuz und quer durch die Straßen und erkundet so gerne die Umgebung. Sie ist ein Augenmensch und schaut dementsprechend genau auf die Umgebung. Oft fühlt sie sich in den engen kleinen Gassen im ersten oder im zweiten Bezirk wie in eine andere Zeit versetzt.  

Am liebsten arbeitet Xandra Linsin in Paris. Während der alljährlich im Frühling stattfindenden Paris Fashion-Week  liegt eine besondere Stimmung über der Stadt. Sie ist nicht dort, um die Shows zu fotografieren, ihr geht es um das Drumherum, um das, was sich neben den Shows abspielt. Die Menschen, die dorthin strömen, sind ihre Modelle. Wenn in Paris die Celebrities den kurzen Weg durch die Tuilerien bis zum Zelt, in dem die Shows stattfinden, zurücklegen, bildet sich um sie herum eine riesige Menschentraube aus Security, Fans und Paparazzi.

„Beobachtet man diesen langsam näher kommenden Tross, der auf den Kieswegen eine Menge Staub aufwirbelt und aus der Ferne wie eine Wolke aussieht, ist das schon ein faszinierender Anblick. Ich warte auf einen geeigneten Augenblick, bevor ich mich in diese Wolke hineinstürze. Dann versuche ich, einige gute Bilder zu machen, bevor mich die Wolke wieder ausspuckt. Das ist aufregend. Der Promi-Faktor ist gerade in Paris besonders hoch.“

Gekommen ist Xandra Linsin zur Street-Fashion-Fotografie eher zufällig. Als sie vor ein paar Jahren für die befreundeten Designer FELDER FELDER  in London fotografierte, wurde sie von ihnen zu einer Fashion-Show eingeladen. „Damals waren noch nicht viele Fotografen auf den Straßen vor den Shows, man hatte noch Bewegungsfreiheit. Mittlerweile wird es jedes Jahr schwieriger, es ist es ein richtiges Gedränge da draußen, Fotografen, Mode-Blogger, Groupies, Fans … jeder ist auf der Jagd nach dem besten Bild von Celebritys oder Bloggern mit dem interessantesten Outfit.

Die Fotos, die Xandra Linsin dann möglichst zeitnah an ihre Agentur schickt, werden weltweit vermarktet. Mode ist ein riesiges, weltweites Geschäft. Dazu tragen auch die Bilder bei, die bei den großen Modezirkussen der Welt entstehen. Sie verbreiten sich oft rasend schnell im Internet und in den Printausgaben der Magazine.

In Wien ist es da schon ruhiger, wenn auch ganz und gar nicht langweilig. Hier kann sich Xandra Linsin nach dem Trubel entspannen. Sie findet, „dass man mit den Menschen in Wien schnell ins Gespräch kommt, schneller als in Zürich jedenfalls. In Wien wird auch viel schneller geflirtet. Das gibt’s in Zürich nicht, da ist man sehr zurückhaltend, distanzierter. Ich liebe den berühmten Wiener Schmäh und mag den Wiener Dialekt, den ich für den schönsten überhaupt halte.“ Sogar die manchmal grummelnden Kellner in den Kaffeehäusern findet sie irgendwie netter als das oft genervte Zürcher Servierpersonal. Xandra Linsin  gefällt auch, wie die Wiener ihre Feste feiern. Die Bälle und Veranstaltungen haben für sie oft noch einen Hauch von den Festen in der einstigen Monarchie.

Wo isst du gerne, wenn du in der Stadt bist? Bei Skopik & Lohn  im 2. Bezirk oder im Café Engländer.

Wo gehst du hin, wenn du etwas zu feiern hast? Meinen letzten Geburtstag hab ich in der Frommen Helene gefeiert, im 8. Bezirk. Sehr schön!

Hast du eine Lieblingsbar hier? Da ich meistens im 1. Bezirk unterwegs bin, gehe ich am liebsten zu Roberto oder in die Loos Bar, wenn es mal spät wird.

Wo entspannst du dich am liebsten in Wien?  Daheim auf der Terrasse oder im Burggarten. Oder im grünen Prater. Im Sommer finde ich den Donaukanal schön.

Hast du einen Lieblingsort in der Stadt? Die zugepflanzte Dacherrasse meines Freundes, mit dem atemberaubenden Blick über die Dächer Wiens. Man sieht alle Wiener Wahrzeichen und bis zum wunderschönen Kahlenberg.

Gehst du gerne in Museen? Ja klar, die Wiener Museen haben immer tolle Ausstellungsprogramme. Besonders mag ich die Albertina, das mumok, das Leopold Museum und das Naturhistorische Museum. Auch das TBA21 von Francesca Habsburg finde ich toll, dort gibt es sehr ungewöhnliche und inspirierende Ausstellungen und  Aktionen.

Was läuft momentan am meisten auf deiner Playlist? Im Moment ein wenig 90ies und Electronic: Bedouin, Kollektiv Turmstrasse, Red Axes, andhim, David August, Umami, Fanta 4, Salt’n’Pepa, Adana Twins, Red Hot Chilli Peppers.

Welches Theaterstück hast du zuletzt besucht in Wien? Das ist leider schon ein Weilchen her: „Die Affäre Rue de Loucine“ im Burgtheater mit den großartigen Schauspielern Nicholas Ofczarek, Michael Maertens und  Maria Happel in einer Inszenierung von Barbara Frey.

Hast du einen Lieblingsfilm? Wahnsinnig viele! Spontan in den Sinn kommt mir gerade „Magnolia“ von Paul Thomas Anderson.

Wo kaufst du in Wien gerne ein? Ich liebe die vielen Wiener Vintage Läden im ersten Bezirk. Dort finde ich jedes mal super Teile zu guten Preisen.

Gibt es einen Wiener Designer, den du besonders magst? Petar Petrov.

Wie würdest du einen persönlichen Stil beschreiben? Eigentlich ziemlich Querbeet, von sexy-elegant über sportlich-komfortabel bis burschikos-tomboy – je nach Laune!

Ein denkwürdiger Abend für dich in Wien? Ein Freund hat mich vor drei Jahren zum Life-Ball mitgenommen. Das war wirklich schön. Die Stimmung war grandios. Und der Ball ist so eine wichtige Botschaft!

© Alistair Guy

Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.