NESTERVAL’S DIRTY FAUST

Lucy McEvil als Frau Karl, fotografiert von Christine Miess

THE TIME OF THEIR LIFE – AND DEATH


Nestervals laden auch dieses Jahr wieder zu einem schrägen Abenteuer in ein leerstehendes Gebäude in Wien. Diesmal geht es zum Gellertplatz nach Favoriten. Der Ort des Geschehens ist ein ehemaliges Kloster, das für die Performance kurzerhand zum Hotel umfunktioniert wurde.

Die Besucher tauchen bereits beim Einchecken an der düsteren Rezeption in die seltsame Welt des Hotel Nesterval ein. Gemeinsam mit dem Zimmerschlüssel wird dem Gast eine Art Hausordnung ausgehändigt, dort ist etwa zu lesen:

Gänge und Stiegenhaus verbinden nicht nur Raum, sondern auch Zeit. Wenn sie Räume wechseln, reisen sie auch durch die Zeit. Das ist ein fragiler und heikler Zustand, seien sie also RUHIG.

Nestervals Faust

© Alexandra Thompson

Noch bevor das geplante Hotelfest beginnt, werden zwei Angestellte tot aufgefunden. Inspiriert von Goethe´s Faust und Tanzfilmen aus den 80er Jahren (heißer Tipp: vorher Dirty Dancing zur Auffrischung ansehen, Stichwort Melone!), begeben sich die TeilnehmerInnen auf eine Reise in die 1960er Jahre des ehrwürdigen Hotel Nesterval.

Sie begegnen skurrilen Gästen und trügerischem Personal und müssen herausfinden, warum die zwei jungen Menschen im Hotel sterben mussten. Über 30 DarstellerInnen ziehen das Publikum in die Handlung hinein, manche plappern unentwegt, andere sind geheimnisvoll und lassen sich nicht in die Karten blicken.

Besonders tiefgründig und mondän gibt Lucy McEvil die resolute Frau Karl, Aston Matters als Frau Katharina Zahlberger bezaubert liebenswürdigst mit Bart, Frisur und Kurven, Laura Hermann als verschlossene Wissenschaftlerin Flora Neumann scheint nicht von dieser Welt.

Je mehr die Besucher sich einbringen, umso tiefer rutschen sie selbst in die Handlung hinein und gestalten so den Verlauf des Abends mit. Anfänglich noch etwas schüchtern, werden die meisten Gäste bald investigativ und erfahren bei einem Drink an der Hotelbar vielleicht, wer mit wem ein Pantscherl hat oder wer der zukünftige Hotelerbe sein wird.

Aus den vielen Eindrücken formen sich Bilder, Zusammenhänge werden klar, um kurz danach wieder diffus zu vernebeln, nichts ist so wie es scheint. Die Suche nach Informationen und Aufklärung beginnt. Handlungen finden in vielen Zimmern gleichzeitig statt, Menschen huschen durch die Gänge auf der Suche nach dem Gesamtbild.

Das großartige Bühnenbild breitet sich im ganzen Haus aus, gegen Ende werden die verstreuten und teils schon erschöpften Gäste zurück in den Festsaal des Hotels (der Kirchenraum des ehemaligen „Waldklosters“) gerufen, wo es im Finale nochmal recht heftig zur Sache geht. Der Showdown ist ein echter Ohrwurm, so viel sei verraten.
EMPFEHLUNG!

Hotel Nesterval, © Christine Miess

Wir alle waren Teil von jener Kraft,
die stets das Böse will und stets das Gute schafft!
Oder war es umgekehrt?
Na ja, es irrt der Mensch so lang er strebt!


Termine 2017:

OKTOBER: 25. / 26. / 27. / 28. / 29. 
NOVEMBER: 9. / 10. / 11. / 16. / 17. / 21. / 22. / 23. 
DEZEMBER: 3. / 4. / 6. / 8. / 9. / 11. / 12.

Beginn: jeweils 18:30 Uhr

Tickets: 
23 € Vollpreis / 16 € ermäßigt / 11 € mit brutkarte 
36 € Champagnerticket mit besonderen Specials

http://www.nesterval.at 

Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.

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