ESCAPE!

© Bernd Preiml

Ab 14. Oktober präsentiert das MuseumsQuartier Wien die groß angelegte Intervention
„Escape!“ der österreichischen Künstlerin Deborah Sengl.  Es handelt sich gleichzeitig um ein
Kunstprojekt und ist mit 300 m² Fläche einer der größten Escape Rooms Europas.


Deborah Sengl zählt zu den bedeutendsten KünstlerInnen Österreichs. Mit ihren Arbeiten thematisiert sie aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und rückt diese in oft ungewöhnliche neue Kontexte. Für „Escape!“ sprengt Sengl den Raum klassischer Kunstpräsentation und greift auf das weltweit populäre Phänomen des Escape Rooms zurück, um diesen als künstlerische Strategie zu nutzen.

Mit den Mitteln der zeitgenössischen Kunst schafft sie eine Erfahrungswelt, in der sich BesucherInnen mit dem Thema Flucht auf mehrdeutig-kritische Weise auseinandersetzen können. Neben einer eigens geschaffenen Raumarchitektur und filmischen und skulpturalen Arbeiten Sengls, werden Erfahrungen, Bilder und Gegenstände, die von Geflüchteten zur Verfügung gestellt wurden, in die künstlerische Intervention integriert.

„Escape!“ will ganz bewusst keine Fluchterfahrung simulieren, sondern vielmehr zum Nachdenken und Einfühlen anregen. Die BesucherInnen werden in mehr oder minder ausweglose und damit emotional schwierige Situationen gebracht, um so eine Ahnung von den Ängsten und Herausforderungen zu bekommen, mit denen flüchtende Menschen konfrontiert sind. Es handelt sich um ein Kunstprojekt, das individuelle Nachdenkprozesse und Diskussionen auslösen möchte, was  Flucht  als Phänomen der Menschheitsgeschichte überhaupt bedeutet.

„Escape Räume wurden in den 1980er Jahren in Japan erfunden und stammen ursprünglich aus dem Kunstumfeld. Für meine Arbeit schien es mir sinnvoll, dieses mittlerweile globale Unterhaltungsphänomen wieder in den Kontext der zeitgenössischen Kunst zurückzuholen. Die Idee dazu hatte ich im Jahr 2015 angesichts der Flüchtlingskrise in Europa. Mir war es ein Anliegen, als Künstlerin darauf zu reagieren, und dies in einer empathischen Form, die im besten Fall auch Menschen mit ganz unterschiedlichen Meinungen Türen öffnen und das Unnachvollziehbare nahbarer machen kann. Egal ob es sich nun um aktuelle Kriege oder Konflikte und Katastrophen aus der Vergangenheit handelt: Flucht ist seit jeher eines der großen und tabuisierten Themen der Menschheit. Mit "Escape!‘ möchte ich einen Eindruck der emotionalen Ausnahmesituationen geben, der Geflüchtete ausgesetzt sind“, so Deborah Sengl.

Deborah Sengl in ihrem Atelier, © Nini Tschavoll

Für „Escape!“ arbeitet Deborah Sengl mit der Organisation Fremde werden Freunde zusammen, deren Hauptanliegen die soziale Inklusion von geflüchteten Menschen in die Gesellschaft sowie die Förderung von zivilgesellschaftlichem Engagement sind.

„Seit unserer Gründung vor über drei Jahren geht es uns um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, und darum
ein Miteinander zu schaffen. Uns war deshalb wichtig, dass Menschen mit Fluchterfahrung bei der Umsetzung von ‚Escape!‘ mitsprechen und ihre Ideen einfließen konnten. Ebenso, dass ein umfassendes Begleitprogramm geboten wird, das Begegnungen von BesucherInnen mit geflüchteten Menschen ermöglicht“, erzählt Kathrin Limpel, Co-Founderin der Initiative. Das Zusatzprogramm von ‚Fremde werden Freunde‘ richtet sich an Teams, Unternehmen und Einzelpersonen und reicht von Reflexionsgesprächen über internationale Kochabende bis zu einem Begleitprogramm für Schulen.


Ab 15. Oktober im MQ Wien.
Hier kann ab sofort gebucht werden.

Fremde werden Freunde
Deborah Sengl
Deborah Sengl im Porträt

 

Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.